Die Gefährdungsbeurteilung stellt eine wesentliche Komponente im betrieblichen Arbeitsschutz dar. Sie dient zur Verbesserung der Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Die Gefährdungsbeurteilung soll Unfällen und Gesundheitsgefahren bei der Arbeit vorbeugen, indem diese Bedrohungen und Probleme frühzeitig erkennt und behebt. Demnach sorgt sie für einen menschengerechten Arbeitsplatz.
Laut dem Arbeitsschutzgesetz sind alle Arbeitgeber dazu verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Der Arbeitgeber kann die Beurteilung auch anderen fachkundigen Personen überlassen. Eine Fachkraft für Arbeitssicherheit oder ein Betriebsarzt sind beispielsweise für diese Aufgabe geeignet. Die endgültige Verantwortung für die Gefährdungsbeurteilung trägt aber weiterhin der Arbeitgeber.

Ablauf einer Gefährdungsbeurteilung

Im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung können verschiedene Analyse-Methoden zum Einsatz kommen. Sicherheitstechnische Überprüfungen von Arbeitsmitteln und Risikoanalysen sind genauso probate Mittel, wie Betriebsbegehungen und Mitarbeiterbefragungen. Die genaue Art der Gefährdungsbeurteilung hängt schließlich vom jeweiligen Arbeitsbereich ab. Kriterien, an denen sich eine Beurteilung orientieren kann, sind zum Beispiel verwendete Arbeitsmittel, personelle und organisatorische Voraussetzungen, das etwaige Gefährdungspotenzial und vorhandene Vorinformationen. Diese können bereits vor einer Gefährdungsbeurteilung gesammelt werden. Statistische Auswertungen von Großbetrieben, Berufsgenossenschaften, Gewerbeaufsichtsämtern und Krankenkassen gelten ebenfalls als mögliche Quellen.
Eine Gefährdungsbeurteilung durchläuft im Wesentlichen sieben Phasen: Als Erstes sollten die Ziele und Vorgehensweisen festgelegt werden. Dabei gilt es einerseits zu bestimmen, welche Arbeitsbereiche, Tätigkeiten und Personengruppen untersucht werden, andererseits müssen kompetente Beurteiler (Führungskräfte, Spezialisten) gefunden werden.

Gefahren am Abrietsplatz

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Im zweiten Schritt ermittelt der Beurteiler die Gefährdungen und Probleme am Arbeitsplatz. Diese Ermittlung kann dreigeteilt erfolgen. Arbeitsstätten bezogen, bezogen auf die Tätigkeit und Personen bezogen. Die Begutachtung der Arbeitsstätte sollte die Untersuchung von Beleuchtung, Heizung, Verkehrswegen, Fluchtwegen, Fußböden und Brandschutzvorrichtungen mit einbeziehen. Die Arbeitsabläufe müssen im Hinblick auf die verwendeten Arbeitsstoffe und Arbeitsmittel überprüft werden. Das Arbeitsumfeld muss auf die individuellen Leistungsvoraussetzungen der einzelnen Mitarbeiter abgestimmt werden.
In der dritten Phase einer Gefährdungsbeurteilung wird eine Risikobewertung durchgeführt. Der Arbeitsplatz kann in diesem Zusammenhang mit normierten Schutzzielen, wie sie in Gesetzen, Verordnungen, technischen Regeln und in Normen vorkommen, abgeglichen werden. Im vierten Schritt sollte der Beurteiler Maßnahmen aus den Erkenntnissen ableiten, die er während der Gefährdungsermittlung und bei der Risikobewertung gewonnen hat. Im Anschluss werden diese Maßnahmen ausgeführt und auf ihre Wirksamkeit kontrolliert. Zu guter Letzt müssen die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung dokumentiert werden. Die identifizierten Gefährdungen, ergriffenen Maßnahmen und Resultate der Wirksamkeitsüberprüfung sind Bestandteile jenes Ergebnisberichts.

Welche Gefährdungsfaktoren müssen bei einer Gefährdungsbeurteilung beachtet werden?

Das Spektrum an Gefährdungsfaktoren ist sehr weitläufig. Mechanische, elektrische und thermische Gefährdungen können genannt werden. Gefährdungen durch physikalische Einwirkungen, durch Gefahrstoffe, wie beispielsweise biologische Arbeitsstoffe sowie durch Brand- und Explosionsgefährdungen müssen ebenfalls in einer Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden. Außerdem sollte die Arbeitsumgebung hinsichtlich physischer oder psychischer Belastungen durchleuchtet werden. Gewalt am Arbeitsplatz oder das Burn-out-Syndrom sind nur zwei von vielen möglichen Faktoren, die in dieser Richtung denkbar wären.
Über die Gefährdungsfaktoren werden in einer Gefährdungsbeurteilung gewisse Daten erhoben. Die Art der Gefährdung, deren etwaige Auswirkungen und Grenzwerte, einzuleitende Arbeitsschutzmaßnahmen und einzuhaltende Vorschriften sind bei der Erhebung zu notieren. Oft können Gefahren am Arbeitsplatz minimiert werden, indem die Arbeitsstätte richtig gestaltet und mit geeigneter Ausrüstung versehen wird. Darüber hinaus sind die Instandhaltung von Arbeitsmitteln und der regelgerechte Umgang mit Arbeitsstoffen wichtige Aspekte. Eine gründliche Unterweisung der Beschäftigten sorgt in diesem Kontext für eine Fehlerreduzierung. Auch eine gut durchdachte Arbeitsorganisation (Arbeitsabläufe, Arbeitszeit, Pausen) und dazu passende Arbeitsbedingungen (gesundes Raumklima, angenehme Beleuchtung, geringer Lärm) heben die Leistung der Mitarbeiter. Eine Gefährdungsbeurteilung muss insgesamt jeden dieser Punkte beachten.